Sehen – Urteilen – Handeln

Dem Trend auf der Spur

Zu Besuch im Statistik-Büro des bischöflichen Generalvikariats

Wie viele Kinder wurden in diesem Jahr getauft? Wie viele Katholiken wurden beerdigt? Wie viele Menschen sind aus der Kirche ausgetreten und wie alt waren diese? Wer Antworten auf diese Fragen sucht, der findet sie nicht in einem staubigen Kellerarchiv, sondern im hochmodernen IT-Büro in der 4. Etage des Generalvikariats.

„Sachgebiet GIS (Geoinformationssystem) und Statistik“ ist der offizielle Titel dieser Stelle, die sich als Dienstleister für die Pfarreien und die Bistumsverwaltung versteht. Gezählt und ausgewertet wird im Bistum schon seit der Gründung 1958, aber im Jahr 2008 wurde die kirchliche Statistik auf eine neue Stufe gehoben: Alle Daten wurden digitalisiert und mit geographischen Daten verbunden. Wie hoch ist die Quote der Gottesdienstbesucher in den Gemeinden? Wo wohnen die meisten jungen Familien? Das und noch viel mehr lässt sich mit wenigen Mausklicks übersichtlich auf Landkarten darstellen.

Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung

Anteil der Katholiken an der Gesamtbevölkerung

Die großen Trends, die man aus der Statistik herauslesen kann, sind bistumsweit einheitlich: Die Katholikenzahl sinkt seit langem um 1 – 2% pro Jahr. Einerseits treten viel mehr Menschen aus der Kirche aus, als sich Gläubige zum Wiedereintritt entschließen, andererseits kann die Zahl der Taufen die hohe Zahl der Sterbefälle nicht ausgleichen. Selbstverständlich muss bei der Bewertung dieser Zahlen die grundsätzliche demographische Entwicklung berücksichtigt werden. So lässt sich auch ein positiver Trend der Kirchenstatistik einordnen: In den letzten Jahren wurden wieder mehr Kinder geboren, folgerichtig verzeichnet auch die Zahl der Taufen einen leichten Aufwärtstrend.

amtshandlungen

Statistik Pfarrei St. Pankratius 1996 bis 2015

Blenden lassen sollte sich davon niemand. Der Abwärtstrend der katholischen Kirche erklärt sich nicht einfach durch das Älterwerden der Gesellschaft – die Probleme liegen tiefer. Das zeigt ein Blick auf die Quote der Gottesdienstbesucher.  Wie viel Prozent der Katholiken besuchen den normalen Sonntagsgottesdienst (kein Feiertag o.Ä.)? Der Rückgang ist dramatisch: Bei Bistumsgründung lag diese Zahl noch über 30%, 1990 war sie bereits auf 15,9% abgesunken, 2015 besuchten im Schnitt nur noch 8,7% der Katholiken den Sonntagsgottesdienst. In unserer Pfarrei St. Pankratius hat sich der Prozentsatz in den letzten 12 Jahren fast halbiert (2003: 11,1%, 2015: 5,9%).

Es liegt an uns, den Trend umzukehren.

Für die einen mögen die Zahlen ernüchternd sein, für die anderen erschreckend, klar scheint indes: Es ist sinnvoll sich mit diesen Zahlen genau zu beschäftigen. Hier kann der Pfarrei-Entwicklungsprozess ansetzen: Wenn wir wissen, dass besonders viele junge Menschen im Alter zwischen 25 und 30 aus der Kirche austreten, wie wäre es, genau diese Altersgruppe in besonderer Art und Weise anzusprechen?

Im Statistik-Büro ist man sich einig: Die erhobenen Zahlen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, die Kirche für die kommenden Jahre fit zu machen. Es ist ein gutes Zeichen, dass die Zahlen und Landkarten der Statistiker im Zuge der Pfarrei-Entwicklungsprozesse immer häufiger angefragt werden. Schließlich ist jede Statistik kein Naturgesetz, es liegt an uns, den Trend umzukehren.

Tipp: Alle Zahlen und Karten finden Sie in der „Kirchlichen Statistik 2015“. Die Auswertung zur Pfarrei St. Pankratius ist ab Seite 280 beschrieben. >Download PDF (8MB)

 

Text: Matthias Krentzek (AG Kommunikation), Karte & Tabelle: Bistum Essen – Bischöfliches Generalvikariat, Sachgebiet GIS und Statistik

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